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Der I4.0 Job

2025 – Mein neuer Kühlschrank steuert sich selbstständig durch seine gesamte Wertschöpfungskette. Er bucht seine Bearbeitungsmaschinen sowie die von mir ausgesuchten Materialien und organisiert letztendlich seine Auslieferung an mich. Die Bearbeitungsmaschinen arbeiten vernetzt und autark. Doch ohne Menschen funktioniert die Produktion keineswegs. Sie bedienen nur nicht mehr die Maschinen, sondern sind vielmehr die Dirigenten und Koordinatoren der Fabrik.

Doch was zeichnet den idealen Industrie 4.0 Mitarbeiter aus? Diese Frage stellte Herr Prof. Dr.-Ing. Thomas Barth den 30 Teilnehmern des Symposiums “Industrie 4.0 – konkret” Mitte Juni in der Rheinischen Fachhochschule Köln.

Mit Einblicken aus konkreten Industrie 4.0 Projektteams gaben Dr. Verena Schmidtmann von Detecon international GmbH und Dipl. Kfm. Matthias Bohnen, CEO von Brockhaus Consulting, einen lebendigen Einstieg in die Diskussion. Die Software wird in Zukunft einen immer größeren Teil der Wertschöpfung vereinnahmen, da waren sich alle Teilnehmer einig. Doch der klassische Programmierer entspricht nicht der Vorstellung des idealen Mitarbeiters für Industrie 4.0-Lösungen. Viel höher wurde bewertet, dass Produktionsprozesse in Architekturen abstrahiert werden können. So muss der Mitarbeiter in den verschiedensten Produktionslinien Strukturen erkennen und schnell in Lösungen denken können. Zudem benötigt er umfassendes Wissen aus den verschiedenen Fachgebieten. Neben Basiswissen aus den Disziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsinformatik braucht er beispielsweise auch Kenntnisse aus der Jura. Denn er muss mit sensiblen Kundendaten umzugehen wissen. Als unverzichtbare Eigenschaften für ein erfolgreiches Revolutionieren der Industrie wurde weiterhin vernetztes Denken und Begeisterungsfähigkeit attestiert. Die vielfältigen Anforderungen sind in den zum Teil zehnköpfigen Projektgruppen großer Industriebetrieben noch leicht realisierbar. Doch in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen wenige Mitarbeiter das gesamte Wissen einbringen. So berichtet Bohnen, bei ihm bestehe das Team oftmals nur aus drei Leuten, folglich muss jeder jede Rolle spielen können. Das sind große Anforderungen, denen die gängigen Ausbildungsrichtungen noch nicht gerecht werden. An der Rheinischen steht momentan ein Masterstudiengang für Maschinenbauer, und Wirtschaftsinformatiker im Raum, der die zusätzlichen Wissensbausteine sowie die Soft-Skills vermitteln soll. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Lösung etliche Jahre Vorlaufzeit benötigt, bis der erste I4.0-Masterant in einem Unternehmen mit der Arbeit beginnen kann. Zumal dürfte sich dieser Bedarf auf den bestehenden Fachkräftemangel in den Mint-Fächern hinzu addieren. “Damit Deutschland dabei nicht den Anschluss verliert, braucht es Modelle, die zeigen, wie eine gezielte Weiterbildung aussehen kann” fordert Barth. Die 30 Teilnehmer haben in der lebendigen Diskussionen schon mal gezeigt, was aus Sicht der Praxis im Lastenheft des I4.0-Arbeiters nicht fehlen darf.

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