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Elektromobilität bewegt die Welt – Deutschland zögert

Stefan Roßkopf, CEO der Teamtechnik und Anlagen GmbH

In Norwegen ist bereits jeder dritte verkaufte Neuwagen ein Elektrofahrzeug, mit dem Polestar wurde eine neue Marke als Antwort auf den Tesla-Hype geschaffen. Während die Skandinavier durch die schiere Fülle an emissionsfreien Fahrzeugen an neuen Herausforderungen wachsen, wird Deutschland sich scheinbar nicht einig. Nur jeder 1346. Pkw hierzulande fährt rein elektrisch, die Hersteller warten lieber weiterhin ab, ob der Deutsche das Elektrofahrzeug überhaupt will und Bundeskanzlerin Merkel kassiert das Ziel, bis 2020 eine Million Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen zu erreichen.

Meilensteine auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität

Stefan Roßkopf, CEO der Teamtechnik       und Anlagen GmbH                                        Foto: Marco Lehner

Stefan Roßkopf, CEO der Teamtechnik und Anlagen GmbH. Foto: Marco Lehner

Auch den deutschen Maschinenbau und Anlagenbau beschäftigt der schleppende Einstieg in die Elektromobilität. Auf dem 9. Maschinenbaugipfel in Berlin appellierte Stefan Roßkopf, CEO der Teamtechnik und Anlagen GmbH an die Branchenvertreter. Vor allem Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit dürfe im anstehenden Wandel nicht aus den Augen verloren werden. „Die Wertschöpfung im Antriebsstrang wird wegfallen und sich zum großen Teil auf die Batterie verlagern“, schildert er die Herausforderung. Deutsche Hersteller für Batteriezellen gebe es aber nicht. Dabei ist die Batterie nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Elektromotors sondern durch die Kapazität und dadurch bedingte Reichweite auch ein ausschlaggebendes Differenzierungsmerkmal. Das Knowhow intensivste Element des elektrischen Antriebsstranges ausschließlich zu importieren, hält Roßkopf für einen großen Fehler. Die Herstellung von Batteriezellen müsse auf jeden Fall eine Priorität für die deutsche Industrie werden, denn einen Stopp für Neuzulassung von Verbrennungsmotoren, wie viele europäische Nachbarn es bereits umgesetzt haben, sei unumgänglich.

Ein weiterer Meilenstein ist die Etablierung einer intelligenten Ladeinfrastruktur. Ohne ein flächendeckendes Netz an Ladesäulen werden keine Elektrofahrzeuge gekauft, was eine Kostensenkung unmöglich macht. Das wiederrum drückt den Absatz. Ein Teufelskreis, dessen Ausweg Roßkopf in der Pflicht der Politik sieht. „Hier ist zwingend die Regierung gefragt, wir brauchen Regulationen und gesetzliche Vorgaben“, sagt der CEO.

Deutschlands Voraussetzungen sind hervorragend. „Wir haben einen Vorsprung in der Erzeugung regenerativer Energien und über das Erdgasnetz haben wir die Möglichkeit zur dezentralen Speicherung“, verdeutlicht Roßkopf. Deutschland müsse die Chancen jetzt nutzen. Nächste Schritte sieht der CEO im Ausbau der Ladeinfrastruktur und in der Etablierung der Batterieherstellung in Deutschland.

Uneinigkeit in der Branche

Prof. Dr.-Ing Michael Bargende, Vorsitzender   des Vorstandes im Forschungsinstitut für Kraft-fahrtwesen und Fahrzeugmotoren                    Foto: Marco Lehner

Prof. Dr.-Ing Michael Bargende, Vorsitzender   des Vorstandes im Forschungsinstitut für Kraft-fahrtwesen und Fahrzeugmotoren. Foto: Marco Lehner

Doch auch skeptische Stimmer werden laut: Prof. Dr.-Ing Michael Bargende, Vorsitzender des Vorstandes im Forschungsinstitut für Kraftfahrtwesen und Fahrzeugmotoren sieht die Zukunft des Antriebsstranges nicht allein im rein elektrischen Antriebsstrang und begründet das vor allem mit der immer noch begrenzten Batterieleistung: „Standen Sie schon mal mit einem Elektroauto im Winter im Stau?“ Bei laufender Klimaanlage oder Heizung kämen auch reich elektrische Fahrzeuge um einen zusätzlichen Verbrennungsmotor oder Range Extender nicht herum.

Deswegen setzt Bargende mehr Vertrauen in die Hybridisierung, die neue Potentiale für den Verbrennungsmotor eröffnet. Die Produktion der Verbrenner basiere, im Gegensatz zum elektrischen Antrieb und dessen Komponenten, nicht mehr auf dem Try-and-Error-Prinzip sondern sei mittlerweile sogar auf dem Weg zum Schadstofffreien Verbrennungsmotor. „Der gesteigerte Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren wird den größten Einfluss auf die zukünftige CO2-Bilanz haben“, ist sich Bargende sicher.

Einigkeit herrsch dagegen bei den Schwächen, die Deutschland auf dem Weg zu einer elektrischen Mobilität noch überwinden muss. Ohne ein gut ausgebautes Netzwerk von Ladestationen, vor allem auch in Wohngebieten, lohnt sich die Anschaffung eines E-Fahrzeugs nur für die wenigsten.

Norwegen hat es vorgemacht: die Mobilität hat bereits ein neues Gesicht. Emissionsfrei wird sie ein, intelligent und vernetzt. Vor allem wird sie mit alten Traditionen brechen. Die nächste Innovation haben die Skandinavier bereits mit dem smarten Vertriebssystem der Elektroautos aus dem Hut gezaubert. Konfiguriert und bestellt wird im Internet, den Zündschlüssel ersetzt eine Smartphone-App und gekauft werden können die neuen Stromer gar nicht, stattdessen wird es ein Abo-Modell mit Flatrate geben.

„Die Elektromobilität ist der Megatrend. Weltweit“, sagt Roßkopf. „Jetzt kommt es darauf an, wie wir uns dem Wandel stellen.“

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