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Geopolitik ist wichtig für Maschinenbau

Digitalisierung und Geopolitik. Das sind die bestimmenden Begriffe der kommenden Jahre, davon ist zumindest Eberhard Sandschneider überzeugt. Als Professor leitet er an der Freien Universiät Berlin den Arbeitsschwerpunkt Politik China und Ostasien. Für ihn bilden Digitalisierung und Geopolitik die Schnittstelle, die Quelle für die aktuellen Risiken und Verwerfungen ist. Und er unterstellt, dass Wirtschaftsunternehmen oftmals durch ihre Marktzugänge besser über Länder Bescheid wüssten als die Politik.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nur konsequent, wenn sich ein Forum auf dem 9. Maschinenbau Gipfel in Berlin dem Thema Märkte in China, Russland und in der Türkei widmet. Märkte, die in den vergangenen Monaten deutlich illustriert haben, dass sich die Welt beschleunigt hat, wie es Sandschneider ausdrückt, dass politische Veränderungen plötzlich auf die Märkte durchschlagen. Gerade die Türkei zeige dies. Viele Mitgliedsunternhemen im VDMA würden berichten, dass sie aktuell Probleme hätten, Mitarbeiter in die Türkei zu entsenden, sagt Ulrich Ackermann, beim VDMA  für den Bereich Außenwirtschaft verantwortlich. Das bestätigt auch Martin Kapp, Geschäftsführender Gesellschafter der Coburger Firma Kapp Werkzeugmaschinen.

Stabilität in polyzentrischen Systemen ist teuer

Also stellt sich für Unternehmen die Frage, wie kann ich mich vorbereiten auf unsichere Zeiten? Denn dass die alten Zeiten der Stabilität wiederkommen hält Sandschneider für illusorisch. „Wir werden in einer polyzentrischen Welt leben,“ prognostiziert er. Und in dieser Stabilität herstellen zu wollen sei kostenintensiv. Das heißt, man muss ich mit diesen Bedingungen arrangieren. Der Maschinenbau hat aber einen langen Atem. Ist einmal ein Markt erschlossen, wolle man ihn auch nicht mehr aufgeben. Trotz dieser Beharrlichkeit sehen sowohl der Branchenverband als auch die Wissenschaft die Politik in der Pflicht, einige Dinge auf den Weg zu bringen.

Außenwirtschaftspolitik ist Mittelstandsförderung

Ackermann wünscht sich vor allem eine Vereinfachung der Hermes-Bürgschaften. Das würde vor allem mittelständische Unternehmen entlasten. Auch hätten diese Unternehmen Probleme, sich die Finanzierung für neue Markterschließungen zu sichern. Banken seien vor dem Hitergrund der Basel-Regelungen sehr restriktiv. Deshalb auch seine Hoffnung, dass sich im neuen Bundestag mehr Parlamentarier intensiv mit Außenwirtschaftspolitik beschäftigen. „Außenwirtschaftspolitik ist Förderpolitik für den Mittelstand,“ so Ackermann.

Auch Sandschneider sieht den Bedarf an merh Wissen über andere Länder. Die Entwicklung habe gezeigt, dass wir sehr genau wüssten, was wir von China wollen. Aber wir wüssten nicht, was China will, was fatal sei. „Der Sack der vor Jahren unbeachtet in China umgefallen ist, der fällt uns heute auf die Füße.“ Chinesische Unternehmen gehen zum Beispiel in Deutschland auf Einkaufstour. Der Mischkonzern Midea übernahm den Augsburger Roboter-Hersteller Kuka. Der Versuch des damaligen Wirtschaftsministers Gabriel, eine Übernahme durch ein gemeinsames Engagement deutscher Industrieunternehmen zu organisieren, schlug fehl. Und China sei auch auf anderen Felder aktiv. Bei Industrie 4.0, im Programm 2025 oder durch neue, eigene Normen. Das unterstreicht auch Knapp.

Politik und Unternhemen müssen sich gemeinsam um Geopolitik kümmern. Bevor der zitierte Sack auf die Füße der Wirtschaft in Deutschland fällt.

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Bildnachweis: Produktion in China (Bild: VDMA)