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Gretchenfrage: Wie hälst du’s mit Industrie 4.0?

Düsseldorf/Nürnberg. Der Maschinenbau ist Industrie4.0-ready. Sagt zumindest der VDMA. Die Unternehmensberatungen begrüßen, dass die Unternehmen über Digitalisierung und Industrie 4.0 nachdenken – müssen aber beklagen, dass noch zu wenige Firmen konkrete Projekte angehen. Warum ist das so? Ist Industrie 4.0 schlecht angesehen?

Dem gehen Rheinische Post und TH Nürnberg auf den Social Media Grund. Also, was denken User von Facebook, Twitter und Co. über Industrie 4.0, Digitalisierung und Society 5.0? Das ist die zentrale Frage für das Forschungsprojekt, das  Daniel Fiene, Leiter Digitalstrategie der Rheinischen Post und Prof. Volker Banholzer, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ an der TH Nürnberg in den nächsten Monaten beschäftigt. Sie wollen die Trends und Stimmungen in den Social Media Kanälen zum Thema Industrie 4.0 oder der sogenannten vierten industrielle Revolution herausfinden. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Studie oder Umfrage zu Digitalisierung und Vernetzung in der Industrie erscheint,“ so Banholzer. Die Anfangseuphorie sei verflogen inzwischen wären Töne der Enttäuschung und skeptische Meinungen mehr im Vordergrund. „Wir wollen wissen, ob sich diese Wahrnehmung mit Analysen aus den Social Media Kanälen belegen lässt,“ erläutert Banholzer.

Das Werkzeug für diese Untersuchung ist das sogenannte Listening-Center der Rheinischen Post. Das Listening-Center ist für die Rheinische Post die Grundlage für einen Journalismus, den Daniel Fiene als „data driven“ bezeichnet. Damit beobachtet die Onlineredaktion in Düsseldorf Thementrends im Netz und erstellt aufgrund dieser Analysen und Stimmungen für die Redaktionen Recherchehinweise. „Social Media gehört zu den wichtigsten Meinungsbarometern unserer Gesellschaft,“ erklärt Daniel Fiene. Mit dem Listening Center war die Rheinische Post das erste Verlagshaus, das auf einen eigenen Algorithmus zur Stimmungsanalyse in den Social Media Kanälen setzt.

Sentimentanalyse: Industrie 4.0 Engel oder Teufelchen?

Dabei kommen Tagging (Klassifikation von Postings) oder  Meinungsanalyse (Sentimentanalyse) zum Einsatz. Als Sentiment (Gefühl, Emp-

findung, Stimmung) wird ein aus mehreren Indikatoren ermittelter Stimmungswert, bezeichnet der  mehreren Akteuren beruht. Eine erste Unterscheidung ist die nach positiven, negativen und neutralen Postings. Witergehende Verfahren der Textanalyse verwenden darüber hianus linguistische und semantische Konzepte.
Die Kooperation von Rheinischer Post und Technischer Hochschule Nürnberg ist auf zunächst ein Jahr angelegt. Daniel Fiene und Volker Banholzer sind auf die Ergebnisse gespannt. „Der Zeitraum umfasst die Zeit der Regierungsbildung nach der Bundestagswahl aber auch Zeiträume wichtiger Branchenmessen der Industrie wie die SPS/IPC/Drives in Nürnberg oder die Hannover Messe und die CeBit,“ so Banholzer. Die Analyse der Netz-Stimmung zu Industrie 4.0 mit dem Listening Center ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens der Technischen Hochschule Nürnberg zu Framing und Akzeptanz von Innovationen, das von der Staedtler-Stiftung gefördert wird. Neben der Analyse der Social Media Kanäle werden auch klassische Fach- und Publikumsmedien sowie die zentralen Äußerungen der wichtigsten Akteure in der Diskussion um Industrie 4.0 untersucht.

Informationen zum Forschungsprojekt: www.th-nuernberg.de/industrie40

Informationen zum Listening Center: http://zeitgeist.rp-online.de/

Foto:   Kick-off in der Schaltzentrale des Listening Center der Rheinischen Post in Düsseldorf. (V.l.n.r) Daniel Fiene (Leiter Digitalstrategie der Rheinischen Post), Hannah Monderkamp (Social-Media-Analystin), Prof. Volker M. Banholzer (Technische Hochschule Nürnberg), Michael Bröcker (Chefredakteur Rheinische Post). Bildnachweis: Rheinische Post/Henning Bulka.