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Industrie 4.0: Interview mit Ingenieur Ulrich Welz

Ulrich Welz, Jahrgang 1954, beschäftigte sich schon mit Informationstechnologie, die sich weit vor dem Begriff Industrie 4.0 ähnlichen Anforderungen annahm. Die Initiative ist gerade vier Jahre alt geworden, die Thematik existiert schon sehr viel länger. Der Ingenieur, der einen großen Teil seines Berufslebens bei Siemens Informatiklösungen entwickelt hat, erläutert in einem Interview seine Sicht auf die Industrie 4.0, deren Anforderungen und Hürden.

 

Herr Welz, wann hatten Sie die erste Berührung mit dem Thema Industrie 4.0?

Das Wesentliche hinter Industrie 4.0 sind für mich Ansätze zur Beherrschung von komplexen Anwendungen beziehungsweise Lösungen. Und damit beschäftige ich mich quasi schon mein ganzes Berufsleben, angefangen bei der objektorientierten Programmierung, über Künstliche Intelligenz bis hin zu Engineeringsystemen des Anlagenbaus und der Automatisierungstechnik.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung bei der Umsetzung von Industrie 4.0?

Es ist wichtig zu verstehen, dass es keinen Big Bang geben wird. Unter großen wissenschaftlichen Anstrengungen, werden wir die Grenze des Machbaren weiter hinausschieben, eben in kleinen Schritten.

Bei der Anpassungsfähigkeit von Anlangen und Prozessen unterscheidet Welz in drei Kategorien: Flexibilität, Adaptivität und Wandlungsfähigkeit. Die Begriffe stammen von Norbert Gronau, Professor für Wirtschaftsinformatik. Sie unterscheiden das unterschiedliche Zusammenspiel von Information und Aktion.

Tabelle

 

Was die Planung von Anlagen angeht unterscheiden sie die Begriffe Flexibilität, Adaptivität und Wandlungsfähigkeit. Sind sie der Meinung, dass zukünftige Industrieanlagen und -prozesse immer Wandlungsfähig sein müssen? Oder reicht für manche Anwendungen die Flexibilität schon aus?

Es gibt definitiv Anlagen, die lediglich flexibel und gegebenenfalls adaptiv sein müssen. Stellen Sie sich eine Fertigungslinie für die Bestückung von Leiterplatten für Handys vor. Diese Linie läuft rund um die Uhr, sagen wir für ein halbes Jahr und wird dann auf das nachfolgende Produkt umgerüstet, um wiederum rund um die Uhr zu Laufen. Adaptivität wird primär zu Kompensation von temporären Fehlern im Fertigungsprozess benötigt. Beispielsweise die Rekonfiguration der Aufteilung von Bestückinhalten innerhalb der Linie nach Ausfall einer Pipette eines Bestückkopfes. Einer solche Produktionslinie reicht zunächst eine adaptive Anpassung.

 

Kennen Sie Beispiele für flexible bzw. wandlungsfähige Systeme aus der Praxis?

Zum Beispiel eine flexible Produktionslinie für die Leiterplattenbestückung: „SIPLACE“. Ich kenne allerdings keine wandlungsfähige Produktionslinie, dies ist jedoch das erklärte Ziel, welches noch nicht erreicht ist. Für das heute Machbare finden sie Informationen und Beispiele auf den Seiten von Prof. Gronau.

Gerade in der IT gibt es Skeptiker, welchen schon wegen der Grundlage Internet die Industrie 4.0 zum Scheitern verurteilen. Sind sie der Meinung, dass Industrie 4.0 auch ohne 100 prozentige Sicherheit funktionieren kann und letztendlich muss?

Anwendungen auf der Basis von Aktionsnetzwerken (vergleiche Folie x im Vortrag) brauchen einen höheren Sicherheitsstandard. Man wird wohl über kurz oder lang nicht umhinkommen eines neues sichereres Internetprotokoll einzuführen (was dann parallel zum heutigen Internet-Protokoll funktioniert).
Für Anwendungen auf Basis von Informationsnetzwerken wird heute schon das aktuelle Internet-Protokoll eingesetzt.
Anwendungen auf der Basis von Aktionsnetzwerken brauchen einen höheren Sicherheitsstandard, als er heute verfügbar ist. Man wird wohl über kurz oder lang nicht umhinkommen, ein neues, sicheres Internetprotokoll einzuführen. Dies muss dann parallel zum heutigen funktionieren. Für Anwendungen auf der Basis von Informaitonsnetzwerken wird heute schon das aktuelle Internetprotokoll eingesetzt.

Herr Welz, vielen Dank für das Interview.

 

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