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Prozesssicherheit durch Intelligente Kameras

Was hat eine Modeboutique mit der Produktionslinie eines Maschinenbauers gemeinsam? Auf den ersten Blick erst einmal gar nichts. Doch beide Orte bieten eine Einsatzmöglichkeit für Intelligente Kameras und Real-Time Facial Analysen. In der Boutique könnten Intelligente Kameras hinter dem Spiegel die Reaktion der Kunden auf die anprobierten Kleidungsstücke analysieren und ihnen Feedback dazu geben. Maschinen in der Produktion könnten den Zustand ihrer Bediener erkennen und rechtzeitig darauf hinweisen wenn er zu unkonzentriert wird. „Gerade bei sicherheitsrelevanten Anwendungen ist das elementar“, sagt Dr. Thomas Bauernhansl, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Ein Kooperationsprojekt zwischen dem IPA und der DEKRA ist bereits auf dem Weg.

Prozessüberwachung als Usecase

Doch Kameras können nicht nur die Mitarbeiter analysieren sondern auch Prozesse in der Produktion überwachen. Viele Produktionsschritte laufen mittlerweile so schnell ab, dass Fehler nicht mit dem bloßen Auge erkannt werden können. So sollte jede Station in der Produktionslinie mit mindestens einer Intelligenten Kameras ausgestattet werden. Über die von Fraunhofer programmierten „Teach-App“ bildet der Verantwortliche die Merkmale des Prozesses auf einem Tablet ab. In jeder Anlage wird zum Beispiel das Zusammenspiel von Werkstück, Werkzeug und Roboter grafisch im Videostream festgehalten. Durch die Programmierung kennt die Kamera die Arbeitsschritte und deren korrekten Ablauf genau.

Dezentral und in Echtzeit

Im laufenden Betrieb werten die Kameras die relevanten Daten dezentral und echzeitnah aus. Mögliche Abweichungen werden an ein Analysetool übermittelt. Die Informationen werden aufgenommen, ausgewertet und können entsprechend aufbereitet werden. So kann proaktiv auf Ausfälle oder fehlerhafte Endprodukte hingewiesen werden. Gerade in mehrschrittigen, komplexen Produktionsprozessen ist die Suche nach den Ursachen für Fehler extrem kompliziert. Das Tool analysiert allerdings nicht nur die Fehler einzelner Prozesse. Es informiert auch über die Fortpflanzung der Fehler im System. Durch Aufzeichnung an jedem Prozessschritt wird eine breite Datenbasis erzeugt, auf der die Fehlerzusammenhänge herausgearbeitet werden können.

Heute findet die Technik der Intelligenten Kameras bereits Anwendung in einem ganz anderen Feld. In der Ingolstädter Saturn Filiale begrüßt der Roboter-Kundenberater Paul die Kunden. Er erkundigt sich nach deren Wünschen und führt sie gegebenen falls auch zu den Produkten im Laden. Dabei greift er über seine Real-Time Facial Analysesoftware auch die Stimmung des Kunden ab.

 

Bildnachweis: Fraunhofer Mitarbeiter (IPA) im Labor (Rainer Bez)

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