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„Jeder Landrat erfindet seinen eigenen Stecker“

Der Maschinenbau ist noch vor der Automobilindustrie der größte Arbeitgeber Deutschlands. Beide Industrien sind eng verzahnt – so bekannten sich viele der Referenten auf dem Maschinenbaugipfel 2017 zum Verbrennungsmotor. Michael Bargende meint gar, die Pariser Klimaziele seien nur mit Verbrennern zu erfüllen. Doch mit dieser  Haltung droht der deutsche Maschinenbau und die Automobilindustrie den Wechsel hin zur E-Mobilität zu verschlafen, meint Stefan Roßkopf dessen Arbeitgeber Maschinen für die Montage von Elektroantrieben baut.

Die Entwicklung hat sich bereits vollzogen: Den Antriebsstrang lassen europäische Hersteller beinahe komplett in Fernost produzieren – nicht nur weil es günstiger ist, sondern weil die Expertise bei Herstellern wie LG und Panasonic sitzt. Beim Opel Ampera-E und Chevrolet Bolt kommen ganze 56 Prozent des Fahrzeugs von LG. Die Elektronikanbieter aus Fernost erschließen sich den Markt langfristig und expandieren mit ihrer Produktion nach Osteuropa.

Maschinenbau hängt von Elektromobilität ab

„Wenn die Automobilindustrie die Produktion der elektrischen Antriebe auslagert, wird auch der Maschinenbau die Expertise in diesem Bereich verlieren“, so Roßkopf weiter. So würde die deutsche Industrie ihre Vorreiterrolle in einem ihrer einträglichsten Zweige verlieren, denn es gilt als sicher, dass sich der Megatrend Elektromobilität durchsetzt. China hat Quoten für Elektroautos eingef

ührt – nicht ganz ohne Hintergedanken, denn deutsche Autobauer, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist, werden die Quoten wahrscheinlich nicht erfüllen können. Dadurch verschafft China seiner Automobilindustrie einen wichtigen Marktvorteil.

Stefan Roßkopf auf dem Maschinenbaugipfel 2017

Nicht begeistert von der Entwicklung in Sachen Elektromobilität: Stefan Roßkopf. Bild: Marco Lehner

 

Auch in Mitteleuropa stehen die Zeichen auf Elektro: Viele Großstädte erlassen Fahrverbote für Verbrennungsmotoren und die Akkupreise werden sich in den komenden zehn Jahren laut Exane BNP Paribas beinahe halbieren. Deshalb geht die Bank davon aus, dass Autohersteller 2025 größere Gewinnmargen mit Elektroautos erzielen können, als mit herkömmlichen Verbrennern. Europäische Länder wie Norwegen haben das erkannt und setzen deshalb verstärkt auf regenerative Energien und Elektromobilität.

Politik muss aktiv werden

Von alleine wird sich die Elektromobilität aber nicht durchsetzen, meint Roßkopf. Die Politik müsse aktiv werden, die Weichen für Forschung und Entwicklung stellen und  bundesweit in eine leicht bedienbare Ladesäulen-Infrastruktur investieren, um Elektromobilität für Fahrer attraktiv zu gestalten. „Derzeit verzetteln wir uns in tausend kleinen Förderprojekten, bei denen jeder Landrat seinen eigenen Stecker erfindet“.

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