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Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt – Chance oder Risiko?

Die Arbeitswelt ist einem ständigen Wandel unterzogen. Nachfrageänderungen, andere wirtschaftliche Faktoren aber vor allem Neuerungen verändern die Arbeitsweise stetig. Zu diesen Neuerungen zählt auch die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, wenn auch diese streng genommen keine absolute Neuheit ist aber heute so stark wie noch nie die Lebensweise der Menschen durchdringt. Oftmals wird die künstliche Intelligenz eher als Risiko statt als Potential und Chance gesehen. Zu negativ? Das fragt Autor Felix Zeiss.

Sonja Roth will qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen halten. Zumindest in der Harting Technologiegruppe, in der sie Personalleiterin ist. (Foto: Zeiss)

Durch die zunehmende Automatisierung sehen sich viele Unternehmen, gerade im mittelständischen Bereich, mit neuen Arbeitsweisen konfrontiert. Doch einige Teilaspekte einer Unternehmung bleiben weiterhin unberührt oder sind zumindest nur teilweise gefordert Änderungen zu vollziehen. „Die grundliegenden Personalerfragen blieben gleich“, sagt Sonja Roth, Zentralbereichsleiterin Personal der Harting Technologiegruppe.

Nach wie vor werde Personal benötigt, welches durch seine hohe Qualifikation das Unternehmen vorantreibt und dieses müsse auch dort gehalten werden. In Zukunft werde es jedoch von hoher Wichtigkeit sein, den Arbeitnehmern ein Umfeld zu schaffen, in dem er die in KI verankerten Potentiale voll ausschöpfen kann. Aus diesem Grund sei ein in die Zukunft gerichtetes Umdenken unabdingbar, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben und Marktführerpositionen zu halten oder zu erreichen.

Die Angst: Massenarbeitslosigkeit

Immer wieder wird der Automatisierung, in die die künstliche Intelligenz und das maschinelle Lernen zählt, unterstellt eine Massenarbeitslosigkeit hervorzurufen. Doch bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, dass lediglich eine Umstellung in Form von Umschulungen in Richtung KI der Arbeitnehmer nötig ist. Dennoch ist es nicht nötig jeden Fabrikarbeiter zum hochqualifizierten Softwarespezialisten auszubilden. Auch in Zeiten der künstlichen Intelligenz werden Arbeiter ohne hochspezialisierte Ausbildung benötigt, um den bestehenden Wandel im Arbeitsalltag zu bewerkstelligen. Routinearbeiten werden sicherlich zum Teil von Maschinen besetzt sein, doch dadurch keine Massenarbeitslosigkeit
hervorrufen. Die auf KI basierenden Prozesslösungen werden gerade in komplexen Aufgaben dem Menschen eine Hilfestellung sein und so eine Optimierung der Abläufe begünstigen, statt den Mensch gänzlich zu verdrängen. Auch einige bestehende Produktionsschritte lassen sich durch den Menschen nach wie vor schneller erledigen als durch eine Maschine. Die Angst vieler Menschen durch künstliche
Intelligenz den Arbeitsplatz zu verlieren ist also unbegründet. Intelligente Maschinen sollen dem Menschen unterstützend beiseite stehen.

Berufsfelder müssen sich weiterentwickeln

Künstliche Intelligenz wird in Zukunft jede Menge neue Jobs beziehungsweise Erweiterungen der bestehenden Tätigkeiten fordern. So müssen künftig Data-Analysten maschinelle Daten sammeln, in KI-basierte Maschinen einspeisen, diese überwachen und bei Anomalien in der Prozesskette darauf reagieren und je nach Zuständigkeit beispielsweise dem Entwicklerteam ein entsprechendes Feedback zur Systemoptimierung geben. Fachkräfte, welche ein hohes Wissen über Prozessketten, das bestehende Personal sowie das Unternehmen und dessen Kultur haben, werden künftig künstliche Intelligenz in das bestehende Unternehmen einspeisen müssen. Ebenso wird sich das Berufsfeld der Personalführung erweitern. KIBelegschaften müssen gestaltet werden um die Zusammenarbeit der Arbeitskräfte und
intelligenten Maschinen zu fördern. Auch die IT wird sich künftig noch mehr mit Sicherheitskonzepten auseinandersetzen müssen.

Zweifelsohne birgt die Verwendung KI-basierter Technologie enorme Möglichkeiten aber auch ein hohes Risiko. Die Maschinen lernen durch künstliche Intelligenz dazu. Sie erfahren tagtäglich mehr über das Unternehmen und sammeln somit ein enormes Wissen an. Dieses Wissen gilt es zu schützen. Auch hier erfordert es neue Kräfte, die sich vor allem mit dem Schutz der KI-Software beschäftigen muss, sodass Unternehmensgeheimnisse nach außen geschützt werden. Aber auch die Maschinen selbst müssen geschützt werden. Da diese einen ständigen Lernprozess erfahren, wären Manipulationen an der KI selbst fatal. Was ein unkontrollierter Zugriff von außen auf eine künstliche Intelligenz bewirken kann, zeigt Microsofts Tay. Der auf KI-basierende Social-Bot wurde innerhalb kürzester Zeit mittels Chatgespräche von Fremden zu einem rechtsradikalen Sexisten erzogen. Dies zeigt die Beinflussbarkeit von künstlicher Intelligenz, was von Fachkräften zu unterbinden sein wird.

Kein Jobkiller

Die künstliche Intelligenz ist folglich kein Jobkiller wie häufig angenommen. Vielmehr enthält dieses breite Themenspektrum jede Menge Potentiale, die es auszuschöpfen gilt. Berufe werden sich erweitern und anpassen aber auch neue Jobfelder werden zu besetzen sein. Der digitale Wandel, unter dem auch die Implementierung von künstlicher Intelligenz in bestehende Prozesse steht, muss im Kontext Mensch, Organisation und Technik stehen. Führung und Kompetenzentwicklung sind in der digitalen Zukunft wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens.

Dazu auch: Arbeit 4.0 und die Dirigenten der Wertschöpfungskette