Technikjournalisten bloggen

„Ready“ für Industrie 4.0?

Traumwolke oder Realität? Industrie 4.0 auf der Hannover Messe 2015. (Bild. Banholzer)

Traumwolke oder Realität? Industrie 4.0 auf der Hannover Messe 2015. (Bild: Banholzer)

Wenn die Anzahl von Umfragen ein Zeichen für Unsicherheit ist, dann ist Industrie 4.0 in der deutschen Wirtschaft noch mit viel Ungewissheit gepaart. Fast täglich erscheinen Umfragen zum Thema „Readyness für Industrie 4.0“, „IT-Sicherheit mit Nachholbedarf“, „Gewappnet für die vierte Revolution“ oder ähnliches. Über 200.000 Treffer ergibt die Onlinesuche nach „Umfrage Industrie 4.0“. Einig sind sich alle in einem: Industrie 4.0 ist wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Blick hinter diese Aussage offenbart dann doch ein paar Fragezeichen.

 

Die Hoffnungen sind groß, manchmal auch die Bedenken. Die IHK Berlin etwa hofft auf eine „technologische Reindustriealisierung“ der Bundeshauptstadt. So der Hauptgeschäftsführer Jan Eder gegenüber heise-online. Hoffnungen sind das eine. Warnungen das andere. Gerade der Siemens Technikvortand Siegfried Russwurm lenkt den Blick auf die mittelständischen Betriebe und lässt sich an gleicher Stelle mit den Worten zitieren, dass es ein volkswirtschaftliches Problem sei, wenn der Mittelstand die Digitalisierung nicht nutzen könne. Auf Details gehen andere Studien ein. So betrachten viele das Feld der IT-Sicherheit als Problem. Für manche liegt die Wahrheit auch dazwischen. Revolution. Welche Revolution? So die Position, die derzeit ebenso zu vernehmen ist. Industrie 4.0 sei nur eine Weiterentwicklung bereits beschrittener Pfade. Zumindest was ERP-Systeme betrifft. Das hatte jetzt eine nicht repräsentative Umfrage der Planat GmbH unter IT-Fach- und Führungskräften auf der Messe IT & Business ergeben.

Gemeinsam sehen sowohl Industrieunternehmen wie Verbände oder Beratungsgesellschaften das Potential, das in der Digitalisierung steckt. Hürden auf dem Weg dieses Potential zu heben gibt es allerdings auch. Bitkom Research und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young fanden in einer repräsentativen Umfrage heraus, dass die meisten Industrieunternehmen drei Themenfelder den Erfolg der Digitalisierung schmälern können. Einerseits der hohe Aufwand für Investitionen bei der Umstellung auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Produktion. Fehlende Standards erschweren zudem die Entscheidung für bestimmte Technologien oder Pfade. Und: Fachkräfte. Die Umstellung auf digitalisierte Prozesse erfordere mehr qualifiziertes Personal, das schwierig zu rekrutieren sei. Die Impuls-Stiftung des VDMA sekundiert. Auch in der von ihr in Auftrag gegebenen Studie von IW Consult und dem Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen kommt das Potential und das Engagement gerade des Maschinenbaus deutlich heraus. Aber neben den bereits benannten Hürden stellt die Studie noch einen weiteren Umstand heraus. Industrie 4.0 muss ein Thema für das Management und vor allem der Unternehmensstrategie werden. Die Unternehmensführung müsse die Konzepte vorleben. Ein Aspekt, der auch bereits in der Diskussion um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Prozess der Digitalisierung rege debattiert wird. Nicht nur die Gewinnung von neuen Fachkräften müsse im Fokus stehen, sondern auch die Weiterqualifizierung der Belegschaft. Das begegnet auch Ängsten angesichts der sich verändernden Arbeitswelt, wie ZEIT online  berichtete.

Aber wo steht die Industrie am Standort Deutschland genau? Und wie können Unternehmen feststellen, wo sie sich selbst auf dem Weg der Digitalisierung befinden? Die Studie der Impuls-Stiftung teilt die Unternehmen des Maschinenbaus in Kategorien „Neulinge“, „Einsteiger“ und „Pioniere“ ein. Die Bilanz ist für die Auftraggeber überaus positiv und führt zu der Aussage, dass Industrie 4.0 im Maschinenbau angekommen sei. Das Readiness-Modell der Studie ist zudem die Grundlage für ein Online self assessment, in dem Unternehmen ihre eigene Position bestimmen können. Und: Hinweise für die eigene Weiterentwicklung erhalten.

Bis die Industrie 4.0 vom Konzeptstatus in eine breite Anwendung münden, werden aber noch viele Umfragen versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Repräsentativ und nicht repräsentativ.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.