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Von Schweinehälften und Industrie 4.0

Ein halbes Schwein digitalisieren

Die Ernährungsindustrie profitiert von Industrie 4.0

Sterile Stahloberflächen reflektieren das Licht und verleihen der Umgebung eine kühle Atmosphäre. An Fleischerhaken aufgehängte Schweinehälften fahren in die Fabrikhalle.
Ihre erste Station, nachdem sie von der Schlachtung kommen, ist ein Sensor der Firma CSB-System AG. Der Sensor erfasst die Struktur und Form der Schweinehälften. Eine Bildverarbeitungssoftware erkennt, ob es sich um die rechte oder linke Seite handelt. Im nächsten Schritt kommuniziert er diese Daten an das System. Anschließend fährt das Fleisch in die richtige Zerlegungslinie.

„Das ist unsere Vorstellung von Industrie 4.0“, erklärt Klemens van Betteray, Vizepräsident der CSB-System AG auf dem Symposium zum Thema Industrie 4.0 an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Das IT-Unternehmen aus Geilenkirchen bietet Lösungen für die Ernährungs-, Chemie- und Pharmaindustrie, sowie für den Handels- und Dienstleistungssektor an. 20 Prozent der Betriebe in der Fleischindustrie seien bis jetzt Automatisiert. Mit seinen Lösungen will CSB dies in der Branche weiter vorantreiben.

Betteray spricht über die Vorteile der Industrie 4.0 für fleischverarbeitende Betriebe.

Betteray spricht über die Vorteile der Industrie 4.0 für fleischverarbeitende Betriebe.

Der Einsatz von Sensoren, die die ermittelten Daten zur Auswertung weitergeben, habe viele Vorteile für die Unternehmen. „Der Verbraucher ist über die Industrie 4.0 mit einbezogen.“, sagt Betteray.
Fleischhersteller sind verpflichtet, dem Verbraucher Informationen über Allergene und Inhaltsstoffe mitzuteilen. Mit Lösungen aus der Industrie 4.0 lassen sich die Angaben zentral sammeln und einfach dokumentieren. Das schafft Transparenz. Davon profitiert nicht nur der Verbraucher.

Unternehmen der Ernährungsindustrie müssen umfangreiche Hygienevorschriften einhalten. Die Sensortechnik vereinfacht und präzisiert die Kontrollen dieser Vorschriften. Was vorher von Menschen überwacht und geprüft werden musste, übernimmt nun eine Maschine. Ohne Zahlendreher, die sich bei der manuellen Eigabe der Daten einschleichen könnten, wandern die Ergebnisse zu einer zentralen Schnittstelle. Dass dies wiederum Personal einspart, sei gut für den Verbraucher, weil so Krankheiten von der Lebensmittelproduktion ferngehalten würden. „Die Nahrungsmittelindustrie ist ganz gut aufgestellt, eben weil die Vorschriften so streng sind.“, sagt Betteray. Ein Problem sieht er im Bereich der Schnittstellen. Er nennt Verschleißteile von Rauchhöfen als Beispiel. „Diese Daten müssen gesammelt werden und an Hersteller vermittelt werden. Dieser Prozess steht erst am Anfang.“
Auch automatisierte Rückholaufträge sollten in Zukunft direkt von der Maschine an die verantwortlichen Stellen übermittelt werden.

Betteray sieht noch viel Potential in der Entwicklung. CSB plant die Fertigstellung einer weiteren Bildverarbeitungssoftware. Die zielt nicht auf das gesundheitliche sondern das technische Management. Die Software soll in Verbindung mit einem Sensor beispielsweise dunkle Bereiche im Fleisch erkennen. Die haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern zeugen von minderer Qualität des Fleisches. Die Bestellung kann so auf Kunden, die nur Fleisch von höherer Qualität bestellen wollen, von vornherein zugeschnitten werden. Dieser Prozess, so Betteray, solle die Anzahl des dafür benötigten Personals von acht auf zwei Personen pro Arbeitsbereich verringern. „Die Software wird noch in diesem Jahr fertig“, sagt er.

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