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Was 5G wirklich ausmacht

Alles dikutiert über den neuen Standard 5G. Die 5G Alliance for Connected Industries and Automation möchte Industrie und Netzbetreiber zusammenbringen (Siehe Bericht). Und die Bundesnetzagentur hat am Montag die Vergabebedingungen für den neuen Mobilfunkstandard 5G festgelegt. Demnach sollen 98 Prozent der deutschen Haushalte bis Ende 2022 mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Vielen reicht das jedoch nicht. So auch Dr. Hermann Buitkamp von VDMA Landtechnik: „Wir haben beim Fernsehen und Radio keine Mobilfunklöcher. Es ist nicht einzusehen, dass wir das mit dem Mobilfunk nicht auch haben sollten.“  Die Telekommunikationsanbieter sind laut VDMA in der Verantwortung Deutschland flächendeckend mit 5G auszustatten. Wie das die Telekom sieht und was genau der neue Mobilfunkstandard 5G bedeutet, erklärt der Product & Offering Marketing Manager des Telekom Sicherheitsteams Thomas Latzel. Ein Interview von Sabrina Huf

5G ist in den Medien aktuell stark vertreten. Was halten Sie davon?

Thomas Latzel: Wenn ich mir die Berichterstattung der letzten vier bis sechs Wochen anschaue, geht es immer darum, dass wir einen Mobilfunkstandard haben, der nicht überall erreichbar ist. Und jetzt machen wir 5G, was auch nicht überall erreichbar sein wird. Die meisten Leute gehen davon aus, dass es sich um Mobilfunk handelt. Und zwar Mobilfunk im Sinne von ich kann besser telefonieren und habe eine gute Internetanbindung.

Und das ist nicht was 5G ausmacht?

Thomas Latzel: Es geht um etwas ganz anderes: 5G ist ein latenzarmes Protokoll, es hat also ein kurzes Antwort-Zeit-Verhalten. Das bedeutet es geht nicht unbedingt um den Mobilfunk an sich, sondern 5G ermöglicht bestimmte Techniken aufgrund seines Latenzverhaltens. Es geht nicht mehr darum, dass ein Mensch mit einem anderen Menschen telefoniert, sondern dass eine Maschine mit einer anderen Maschine kommuniziert. Wenn wir über autonomes Fahren reden bedeutet das beispielsweise, dass in Zukunft Fahrzeuge mit andern Fahrzeugen sprechen werden. Sie kommen an eine Kreuzung und vier autonome Fahrzeuge unterhalten sich, wer zuerst fahren darf. Verkehrsschilder und Rechts-vor-links-Regeln sind unnötig, die Autos klären unter sich wer zuerst fährt. Damit das funktioniert müssen die Fahrzeuge rechtzeitig miteinander kommunizieren. Und dafür brauchen Sie ein latenzarmes Protokoll. Ob autonomes Fahren in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren kommt, ist eine andere Frage.

Können andere Protokolle das nicht leisten?

Thomas Latzel: Nein, dass 5G fast latenzfrei ist, unterscheidet es von allen anderen Protokollen. Ich sende etwas und am anderen Ende muss mich jemand ganz schnell verstehen und reagieren. Wenn wir uns am Telefon unterhalten und Sie verstehen etwas nicht, dann fragen Sie nach. Wenn zwei Autos mit 120 km/h aufeinander zurasen und ein Auto würde Fragen: „Was hast du gesagt? Darf ich fahren oder darf ich nicht?“, ist die Situation ganz anders. Und dafür ist das 5G Protokoll angedacht. Das heißt, die Deutsche Telekom ist ein Infrastruktur Anbieter, der sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunknetz Verbindungen und Übertragungen schafft. Ob das nun Sprache oder Daten sind, ist erstmal egal.

Muss die Telekom ihr Netz ausbauen um 5G anbieten zu können?

Thomas Latzel: Soweit mir bekannt ist können wir da, wo wir im Moment ein Netz anbieten auch 5G anbieten. Das heißt, wo wir jetzt schon sind werden wir auch 5G anbieten.

Product & Offering Marketing Manager des Telekom Sicherheitsteams Thomas Latzel. (Foto: Huf)

Und die Funklöcher?

Thomas Latzel: Wir haben in Deutschland das bestausgestattete Netz überhaupt. Keiner hat ein besseres Netz als die Deutsche Telekom. Natürlich gibt es auch weiße Flecken in Deutschland, vor allem im ländlichen Bereich, die wir versuchen abzudecken. Ich selbst lebe auf dem Land und habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren verbessert hat. Bis wann wir sämtliche weiße Flecken abdecken können, kann ich Ihnen aber nicht sagen.

Laut der Bundesnetzagentur sollen auch regionale und lokale Netze für 5G-Anwendungen bereitgestellt werden. Dabei können auch Firmen, die keine Kommunikationsdienstleister sind Frequenzen zugeteilt bekommen. Fällt dadurch ein Markanteil der Telekom weg?

Thomas Latzel: Ist das so? Ich bin der Meinung, dass vielleicht in zwanzig Jahren alles was heute digitalisiert wird, digitalisiert ist. Vom Toaster, über das Auto, bis hin zur Müllabfuhr. Jedes Produkt wird miteinander kommunizieren. Wenn alles mit allem sprechen muss, kann die Deutsche Telekom kein Monopol auf alle europäischen Netze haben. Das wäre toll, wird aber so nicht sein. Wir befinden uns in einem regulierten Markt, weshalb es auch zukünftig andere Telekommunikationsanbieter geben wird. Und warum sollte eine Firma nicht darüber nachdenken, ihre eigene Kommunikation zu regeln? Am Ende müssen wir alle ein Ziel haben: Es muss alles mit allem reden.